Meine Bewerbungsrede: Neue Besen kehren besser

Rede vor dem SPD-Stadtverband zur Bewerbung als Bürgermeister-Kandidat
am 26. Januar 2015 in der Marktschänke

Nominierungsrede Ausschnitt

Liebe Bad Dürkheimerinnen und Bad Dürkheim,

liebe Genossinnen und Genossen,

es ist mir eine große Ehre und Freude hier zu stehen und ich bewerbe mich sehr gerne für das Bürgermeisteramt in Bad Dürkheim. Bad Dürkheim ist eine stolze Kreis- und Kurstadt, in der die Menschen gerne leben und gut wohnen, in der sie gut und erfolgreich arbeiten und in der sie sich erholen und gesund werden. Das macht Bad Dürkheim aus, aber es sind auch unsere ureigenen Themen als Sozialdemokraten und es sind natürlich auch meine Themen: gut leben, gut wohnen, gut arbeiten, gut erholen. Und zwar für alle Bürgerinnen und Bürger, im Stadtkern genauso wie in den Ortsteilen, in Hardenburg, Grethen-Hausen genauso wie in Seebach, Leistadt und Ungstein – und auch in der Trift.

Ich denke, wir haben mit meiner Kandidatur einen guten Start hingelegt, es war ja auch ein bisschen eine Überraschung, für mich selbst auch. Ich will allen ganz herzlich danken, die mich zu diesem Schritt ermuntert haben, Ralf vorneweg, das waren viele gute Gesprächen und ich gestehe, dass mich besonders gerührt hat, als einige Bad Dürkheimer zwischen den Jahren 400 Unterschriften für meine Kandidatur gesammelt haben. Ich habe in diesen letzten Tagen so viel Zuspruch und Ermunterung erfahren von ganz unterschiedlichen Menschen, auch völlig unabhängig von Parteigrenzen, dass ich wirklich beflügelt und voller Tatendrang in diesen Wahlkampf gehe – wenn ihr mich nachher nominiert natürlich. Und dann hat Peter Spengler recht: dann kommt Feuer in die Sache.

Zu meiner Person hat schon einiges in der Zeitung gestanden, auch über meine Beziehung zu Bad Dürkheim. Seit ich in meiner Jugend bei den Pfadfindern war, hab ich eine enge Beziehung hierher, bin kirchlich aktiv, bei der Inneren Mission zum Beispiel und interessiere mich für die Bad Dürkheimer Kulturszene, habe 2003 den Trägerverein Offene Werkstatt mit gegründet und bin seitdem dort Vorsitzender. Wir kaufen bei LePrima ein und tanzen in der Chachabar und ich merke jetzt bei Gelegnheiten wie dem städtischen Empfang, dass es zu ganz vielen Bad Dürkheimern irgendeinen Bezug gibt.

Ich bin mit 45 Jahren sicher im besten Alter für solch eine Bewerbung und habe in meinem beruflichen Leben eine Vielzahl von Erfahrungen sammeln können, die mir hier als Bürgermeister nützlich sein werden. Beispielsweise habe ich als jemand der Großveranstaltungen in vielen deutschen Großstädten organisiert hat, sicher mehr Verwaltungen und Genehmigungsabläufe kennen gelernt als so mancher hier im Raum und eine Reihe von zum Teil komplizierten juristischen Verhandlungen mit Messegesellschaft, Bürgermeister und Institutionen geführt. Ich hab da eine väterliche Vorprägung und konnte das im Studium dann vertiefen.

Natürlich weiß ich als Selbständiger und Unternehmer, wie Geld umgeht und vernünftig haushaltet; ich will das gleich vorweg sagen: ich bin keiner von denen, die alles versprechen und dann nicht wissen, woher sie es nehmen. Ich war in meinen Projekten häufig für mehrstellige Millionenbeträge verantwortlich, meist öffentliche Gelder und weiß deshalb, dass große Budgets nur einzuhalten sind, wenn man genau über die Details spricht.

Und – und das waren vielleicht die wichtigsten Erfahrungen: ich habe eine lange Reihe von Veränderungsprozessen initiiert und durchgeführt, habe Menschen, Bürger, Mitglieder von Organisationen an Entscheidungen beteiligt und Lösungen erarbeitet und durchgesetzt, häufig an Stellen, wo andere schon aufgegeben hatten. Ich denke, ich kann also sagen, dass ich auch einiges einbringe in diesen Job.

Ich bin glücklich verheiratet, meine Frau freut sich, dass ihr Mann jetzt ein noch größeres Interesse daran hat, mit ihr auf Bälle und Konzerte in Bad Dürkheim zu gehen. Die Kinder sind in einem Alter, auch besser geht: es sind zwei Kinder, die uns wirklich stolz machen, Jannes ist sieben und Hanna elf und wir sehen in ihnen unsere Begeisterung für die Musik, für die Natur, für das Wandern und natürlich für den Wurschmarkt.

Ich bin seit fast zwanzig Jahren in der SPD aktiv, Ihr wisst, ich bin Unterbezirksvorsitzender, sitze im Kreistag, bin Mitglied im Landesvorstand der SPD. ich war in den Neunzigern im Präsidium des Evangelischen Kirchentages und habe dort Persönlichkeiten wie Erhard Eppler und Reinhard Höppner kennen gelernt. Und Ernst Ulrich von Weizsäcker, ich war damals sehr aktiv im Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit, wir sind noch heute ein sehr ökologischer Haushalt und über diese Menschen bin ich zur SPD gekommen. Ich bewundere diese Überzeugungstäter in Politik.

Ich war kirchlich aktiv, hab lange intensiv Jugendarbeit gemacht und war sehr interessiert an Musik und Theater und hab dann auch etwas studiert, Medienwissenschaft, was damals noch kaum jemand kannte, damit ist man in der Lage, ein Theater zu managen oder einen Film zu produzieren. Ich hab ja dann auch eher Veranstaltungen organisiert. Heute wissen wir, dass das Thema Medien und Kommunikation über die elektronischen Möglichkeiten unsere gesamte Gesellschaft verändert. Das haben wir damals theoretisch diskutiert und heute sind wir mitten drin, ich komm da noch drauf zurück.

Genug über meine Person, reden wir von meiner Kandidatur.

Natürlich habe ich mit Interesse verfolgt, was die CDU da gemacht hat bei ihrer Nominierung, ich war nicht dort, ich kenn es nur aus der Zeitung, wie die meisten. Ich gestehe, ich hatte ein bisschen mehr erwartet.

Ich lese, mein Mitbewerber „sieht sich imstande, das Amt des Bürgermeister auszuüben.“ Einverstanden. Er will „die gute Infrastruktur erhalten und weiter entwickeln“. Unterschreib ich. Es gebe allerdings auch noch „Bereiche, die attraktiver gestaltet werden müssten“ und dies solle man in Angriff nehmen. Ja, dann los. Beim Wurstmarkt müssten die „gesetzlichen Rahmenbedingungen eingehalten werden“ und dabei müsse „ausreichend Zeit sein, um das Ist dem Soll anzupassen“. Da reden wir nochmal drüber. Am Ende jedenfalls hat der Amtsinhaber „keinen Zweifel, dass mit Gerd Ester ein nahtloser Fortgang“ möglich sei. Gut, die beiden und nahtloser Fortgang – Schwamm drüber, das geht uns nichts an.

Was uns angehen muss ist folgendes: wenn ich mir das so anschaue und wenn die Rheinpfalz das einigermaßen getreu wiedergegeben hat, dann kann ich nur sagen:
das klingt alles in allem nach einem eher müden „Weiter so!“.

Und da sag ich: liebe Bad Dürkheimerinnen und Bad Dürkheimer,

da haben Sie mehr verdient. Ich will Ihnen versprechen, dass ich das Amt nicht nur ausübern, sondern ausfüllen und neu profilieren werde zum Wohle unserer Stadt. Das ist der neue Stil, den wir brauchen. Da müssen wir anpacken.

Liebe Genossinnen und Genossen,

wenn wir heute Abend nach Hause gehen, haben wir vermutlich einen Bürgermeisterkandidaten und Ihr nehmt hoffentlich die Tonart mit, in der wir jetzt die Mund-zu-Mund-Propaganda starten müssen. Ihr wisst ja: das entscheidende ist nicht der Rundfunk sondern der Mundfunk – hat glaub ich Johannes Rau mal gesagt.

Und die Tonart ist klar: wir brauchen einen Neustart in der Dürkheimer Politik, einen frischen Wind, einen neue politischen Stil.

Und lasst mich das an drei Punkten festmachen:

  1. Neue Besen kehren besser. Da versuchen die anderen zu sagen: na, der kommt ja gar nicht aus Bad Dürkheim, richtig. Und in Baden-Würtemberg hätte ich deshalb so gut wie gewonnen. Weil das bei denen üblich ist, 90% der BürgermeisterInnen in Baden Würtemberg kommen von außerhalb, weil sie unverbraucht sind und auf die alten Geschichten keine Rücksicht nehmen müssen. Das ist übrigens in der Wirtschaft nicht anders. Deshalb kehren neue Besen besser.
    Denn die alten Besen sind in der Regel ziemlich verwurzelt in den alten Strukturen, sie sind verstrickt in den alten, vielleicht sogar in den eigenen Interessen. Sie könne gar nicht so richtig raus aus dem Netzwerk, das alles so lassen will, wie ist es ist.
    Nun können wir in Bad Dürkheim auf vieles stolz und das soll auch so bleiben, aber ein Bürgermeister muss frei sein, das Richtige zu tun, den Finger auch mal in die Wunde zu legen und den Hebel dort anzusetzen, wo die richtigen Entscheidungen für die Zukunft der Stadt und das Wohl der Bürgerinnen und Bürger zu treffen. Deshalb den neuen Besen.
  1. Ein Gemeinwesen führt man anders als ein Unternehmen. Natürlich muss man vernünftig haushalten und natürlich müssen wir uns auch als Stadt gegenüber anderen Regionen profilieren, Stichwort Stadtmarketing. Ja, es geht in der Politik auch um Geld und um Wettbewerb.
    Aber das darf natürlich nicht alles sein, wenn wir über Schulen, über Kindergärten, über soziale und kulturelle Einrichtungen, wenn wir über das Gemeinwesen reden, ja auch wenn wir über den Bauhof reden, dann darf es nicht nur um Geld gehen. Dann darf es nicht passieren, dass es nur den Blick des Betriebswirtes und des Buchhalters gibt. Nein, dann muss natürlich darum gehen, dass diese unsere Institutionen mit den begrenzten Mitteln, die wir haben eine möglichst gute Arbeit machen für uns alle und unsere Zukunft. Und das hat auch mit dem Interesse an und der Wertschätzung für diese Arbeit zu tun. Eine Schule wird sich nie selbst tragen, eine Schule ist natürlich keine Cash-Cow. Eine Schule hat einen gesellschaftlichen Auftrag und sie soll die jungen Menschen ausbilden und befähigen, als starke gebildete Persönlichkeiten, unsere Zukunft zu gestalten, in der Gesellschaft, in den Unternehmen, sie sollen gerade in der Wirtschaft besser und innovativer und verantwortungsvoller sein als andere. Und deshalb ist das der Fokus, den wir setzen müssen: unsere städtischen Einrichtungen sollen besser arbeiten, nicht nur günstig.
  1. Zum dritten geht es darum, als BÜRGER-Meister echte Politik zu machen. Und damit meine ich nicht nur ehrliche Politik, das auch, sondern damit meine ich Politik im ursprünglichen Sinne. Politik kommt von Polis und das meint in der Antike die Stadt, das Gemeinwesen. Damit ist gemeint, dass die Bürger sich selbst um ihre Stadt kümmern und wir als Politiker haben das zu organisieren. Demokratie heißt, sich in seine eigenen Angelegenheiten einzumischen. Hat Max Frisch mal gesagt. Da ist was dran, aber die Menschen erleben das nicht mehr so. Weil die Politiker, die Verwaltung zu weit weg sind und zumindest der Eindruck entsteht, dass das alles nach eigenen Gesetzmäßigkeiten abläuft. Dabei sind wir es eigentlich als Bürger, die die Regeln machen, die sich um ihre Angelegenheiten kümmern. Und deshalb ist es unser Pflicht und Schuldigkeit als Politiker dafür zu sorgen. Gerade als Bürgermeister, als Meister der Bürgerschaft.
    Nur: dieses Einbeziehen, das Ernstnehmen, der Diskurs auf Augenhöhe, das ist ganz schön anstrengend und es ist nicht so einfach. Ich weiß, wovon ich spreche. Ich mach das beruflich. Ich habe auch erst mühsam lernen müssen, genau zuzuhören, aktiv zuzuhören, Probleme zu erfassen, Lösungsprozesse auf den Weg zu bringen. Das ist ein Handwerk, das man lernen kann. Und ein Bürgermeister sollte Meister dieses Handwerkes sein. Wenn ich im meinem Beruf etwas gelernt habe, dann ist es diesen politischen Prozess zu organisieren und zwar offen und transparent und fair im Interesse aller Bürgerinnen und Bürger. Dazu braucht es Führungsstärke, es braucht auch die Fähigkeit zur Kritik, zum ruhig und konzentriert bleiben, wenn es stressig und Konflikte gibt und man braucht die Fähigkeit, Dinge auf den Punkt zu bringen.

Ich will es jetzt auch nicht zu lange machen, aber lasst mich natürlich zu ein paar Dürkheimer Themen etwas sagen, gerade zu denen, die die Dürkheimer bewegen.

Natürlich treibt viele um, wie da gerade an den Grundpfeilern des Wurstmarktes gesägt wird. Ich hab vorhin gesagt, ich kenn mich ein bisschen mit Immisionsschutz aus und weiß, dass es da gesetzliche Vorschriften gibt, aber es gibt auch Spielräume und die liegen nicht unwesentlich bei der Kommune selbst. Ich bin der festen Überzeugung, dass man da mit ein bisschen Geschick eine Lösung findet.

Ich kann eine kleine Geschichte dazu erzählen: wir wollten in Dresden auf dem Neumarkt, vor der Frauenkirche, also in der guten Stube Dresdens ein junges evangelisches Musikfestival etablieren und wollten dafür die Band Zweiraumwohnung dort haben und alle haben gesagt: das kannste vergessen, das hat sogar Grönemeyer nicht geschafft. Und dann haben wir mit allen gesprochen, haben die Spielräume ausgelotet, mit den Anwohnern gesprochen und am Ende haben sie gespielt, auf dem Neumarkt. Und heute übrigens, ungefähr jetzt spielen dort vor der Frauenkirche wieder Bands, die Veranstalter haben mich in den letzten Wochen um Rat gefragt, ich bin froh, dass das geklappt hat, weil es ein mutiges Zeichen gegen Pegida werden wird, für ein buntes Dresden – und diesmal übrigens ist Grönemeyer dabei.

Was ich damit sagen will: es gibt in der Regel Lösungen, wenn man geschickt vorgeht, wenn man die Bedenken und die Bedürfnisse der Beteiligten ernst nimmt, auch der übergeordneten Behörden, aber auch der Betroffenen. Es ist sicher kein guter Stil, die Anwohner öffentlich an den Pranger zu stellen.
Und ich weiß nicht, wie viel Porzellan da schon zerschlagen ist, aber das ist natürlich ein Thema, um das ich mich jetzt auch persönlich werden.

Und natürlich ist Bad Dürkheim willens und in der Lage einen schönen Weihnachtsmarkt oder eine andere feine Adventsaktion auf die Beine zu stellen, die zu Bad Dürkheim passt, die ein bisschen selbstgemacht ist und trotzdem Niveau hat für eine schöne vorweihnachtliche Stimmung nicht nur für die Gäste, die zu uns kommen, sondern auch für die Dürkheimer, das darf überhaupt keine Frage sein. Und da muss man auch nicht auf den Gewerbeverein warten, sondern es gab und gibt ja Initiativen aus der Bürgerschaft und aus dem Gewerbe, die dafür tolle Ideen hatten und die wir nur zusammenführen und unterstützen müssen.

Das sind natürlich emotionale Themen in Bad Dürkheim und dazu gehört auch der Kur- und Gesundheitsbetrieb und die Staatsbad GmbH.

Ich seh das so: die Menschen kommen nach Bad Dürkheim, um sich zu erholen, um gesund zu werden, diese Kompetenz als Gesundheitsstadt müssen wir ausbauen und müssen wir entwickeln und natürlich gehört dazu auch der Status als Heilbad. Aus meiner Sicht ist das aber keine singuläre Frage, sondern das Entscheidende ist, dass wir das vorhandene Know-How bündeln und vernetzen und dass ein zukunftsfähiges Konzept aus den Stärken und aus den Ressourcen heraus entwickelt wird, die Bad Dürkheim ja schon hat. Ich nenne jetzt beispielhaft das evangelische Krankenhaus (ihr wisst, ich bin da im Träger aktiv und ich weiß wie viel Energie allein dort in die neue Profilierung und Zukunftsausrichtung geflossen ist), aber es gibt natürlich noch viele andere Akteure, in den Kliniken, in den Kureinrichtungen, wir haben eine starke Hospizbewegung, der OmegaVerein macht hervorragend Arbeit; wir haben am Dienstag Franz Müntefering gehört in einer bewegenden Veranstaltung über Palliativmedizin und Hospiz. Diese Akteure müssen wir vernetzen und die Ressourcen bündeln für ein Zukunftskonzept Gesundheits- und Wellnessstadt Bad Dürkheim. Für ältere Menschen, für junge Familien, für Menschen, die sich von zuviel Arbeit erholen wollen und für Menschen, die den Naturpark Pfälzer Wald aktiv nutzen wollen. Das muss zusammen fließen, dafür brauchen wir eine Art Runden Tisch Gesundheit und Wellness und in den Rahmen eines solches Konzeptes muss dann auch die kleinere feinere Lösung für die Kur- und Gesundbetriebe im und am Kurpark passen.

Und deshalb ärgere ich mich schon, wenn ich sehe, wie die noch amtierende Stadtspitze in Sachen Staatsbad nicht nur die Schuld immer nur woanders sucht und das ärgert mich vor allem deshalb, weil es für mich so nahe liegt, dass dieses Konzept aus Bad Dürkheim heraus entwickelt werden muss und deshalb muss es auch wesentlich hier entstehen – und nicht in Mainz.

Und lasst mich diesen einen Satz noch sagen, auch wenn es vielleicht ein bisschen zugespitzt ist und viele das so nicht hören wollen, aber deshalb komme ich ja von außen, Ihr erinnert Euch: Aus meiner Sicht haben alle Beteiligten viel zu lange auf die große Thermenlösung und den hoffentlich seriösen Investor gestarrt wie das Kaninchen auf die Schlange. Und niemand hatte den politischen Mut zu sagen: wir müssen die Reißleine ziehen, wie brauchen einen Plan B. Und deshalb gibt es bis heute kein Alternativ-Konzept und das ist die eigentliche Katastrophe.

Und da kann ich nur sagen: hinsetzen und an einer Lösung arbeiten. Gerne in Zusammenhang mit dem Salinarium, in jedem Fall aber in der Gesamtsicht Zukunftsperspektive Wellness- und Gesundheitsstadt. Und dafür sind ja auch die Zuschüsse schon zugesagt. Diesen Prozesse übernehme ich dann gerne als Bürgermeister, moderieren und gestalten ihn und das kann ich auch: mit meinem Stadtrat im Rücken, mit unserer großen Koalition im Kreis und natürlich mit meinen Kontakten zu unserer Landesregierung und zum Ministerium, mit unserem Landtagsabgeordneten. Da kriegen wir was Schönes, wobei ich auch sage: es drängt die Zeit und ich hoffe sehr, dass schon etwas auf den Weg kommt, bevor ich dann im Januar mein Amt hier antrete.

In der Veranstaltung mit Franz Müntefering ging es noch um eine andere wichtige Frage: nämlich das gute Leben im Alter. Wie können wir dafür sorgen, dass die Menschen möglichst lange in ihren eigenen vier Wänden leben können, wie können wir dafür sorgen, dass niemand allein und verlassen leben muss; wie können wir aber auch die Ressourcen, die Zeit und die Erfahrung der Menschen im goldenen Alter nutzen für diejenigen, die Zeit und Erfahrung brauchen. Kinder, Jugendliche, junge Familien, natürlich Alleinerziehende, Migranten, Neubürgerinnen. Wie schaffen wir eine Vernetzung, die allen nützt, über die Generationen hinweg, mit neuen Wohnformen, mit aktiver Ortsteilarbeit, gerne auch – ich springe ein bisschen – mit professioneller Sozialraumplanung und Dorfmoderation: das ist die Frage nach der Attraktivität der Ortsteile. Wie können wir unsere Ortsteile, die zum Teil doch etwas vernachlässigt wurden in den letzten Jahren, wieder so attraktiv, so menschlich und so wohnlich machen, dass sich alle dort wohlfühlen, dort gerne wohnen und dass auch gerade junge Familien und fest im Arbeitsleben verwurzelte Menschen dorthin ziehen, sich für Leistadt und Grethen-Hausen, Ungstein und Hardenburg, für Seebach und die Trift entscheiden und unsere Stadt bereichern. Ich werde jetzt auch sehr bald in die Ortsteile gehen und Gespräche führen und lade schon alle Beteiligten herzlich dazu ein. Die Menschen wollen gut wohnen in Bad Dürkheim und da hinein müssen wir investieren.

Und wir haben da schon tolle Initiativen wie das Mehrgenerationenhaus, das am Anfang als es ein paar Unermüdliche auf den Weg gebracht haben noch nicht so viele Fans wie heute, wo es steht und läuft und eine wunderbare Dynamik entwickelt. Solche Initiativen wünschen wir uns und das ist die Stelle, an der ich natürlich insgesamt das Ehrenamt in Bad Dürheim loben und würdigen will, die vielen, die sich hier engagieren. Und damit meine ich nicht nur großen Vereine…natürlich gibt es im Hockeyclub einzigartige sportliche Leistungen und natürlich, liebe Seebacher und 1911er, lieber Karl, spiele ich auch gerne Fußball – und doch gibt es auch die vielen kleinen Vereine, die ebenfalls gute und wichtige Arbeit machen und die auch unsere Unterstützung brauchen. Das ist eine Aufgabe, auf die ich mich besonders freue, als Bürgermeister für die Ehrenamtlichen, die Feuerwehr, die Vereine, die Initiativen da zu sein.

Jetzt gibt es eine Fülle von Themen, die ich noch nicht angesprochen habe. Natürlich gehört zur Stadtentwicklung und zur Orsteilentwicklung eine gute Infrastruktur, dazu gehören Verkehrsfragen, Einkaufsmöglichkeiten, dazu gehört auch die Frage nach Leerstände und nach dem, was viele Bürgerinnen und Bürger Schandflecken nennen. Das ehemalige Marina, aber auch die Gondelbahn. Natürlich gibt es da keinen formalen Auftrag der Verwaltung, aber das sind Fragen, um die sich ein Bürgermeister auch als Person und mit seinem persönliche Gewicht kümmern muss und es gibt natürlich Instrumente wie ein professionelles Leerstandsmanagement.

Und natürlich ist der Straßenverkehr eine wichtige Frage. Ich bin ja eher der Nachhaltigkeitstyp und überzeugter Bus- und Bahnfahrer, aber ich hab auch einen Führerschein und natürlich ist der Straßenverkehr wichtige Frage und da sprechen mich auch schon viele Menschen darauf, wo welcher Kreisel und welche Verkehrsführung richtig ist. Das ist ein Thema, das wir auf keinen Fall den Experten und den Hinterzimmern überlassen dürfen, auch wenn das manchmal einfacher erscheint, mit diesem Thema müssen wir raus zu den Betroffenen. Und neben vielem anderen, was man dazu sagen könnte, ist natürlich die B271 nicht nur für Ungstein eine wichtige Sache, das ist auch wichtig als Anbindung der nördlichen Weinstraße an unser Mittelzentrum Bad Dürkheim und das ist auch eine Frage, die ich etwas näher kenne. Es gibt jetzt eine gute Chance, etwas in Bewegung zu bringen, weil im nördliche Teil um Kirchheim dieses Jahr mit dem Bau begonnen wird. Und der zweite muss und wird der um Ungstein sein und da werde ich mich auch persönlich darum kümmern, wie der Plan ist und wie das zügig vorangehen kann.

Lasst mich noch ein paar Sätze zu einer starken wirtschaftlichen Entwicklung sagen. Ja, wir wollen auch, dass die Menschen in Bad Dürkheim gut und erfolgreich arbeiten und wir wollen, dass sie hier gutes Geld verdienen. Davon profitiert nämlich auch der Stadtsäckel. Dazu gehört ein attraktiver Standort mit einer guten Infrastruktur und es gehört ein Umfeld dazu, dass Innovation möglich macht. Nun gibt es hier bereits viele Geschäftsleute, auch junge Winzer, die in den letzten Jahren viel neue Ideen entwickelt haben, neue Synergien geschaffen, neue Vermarktungsmöglichkeiten. Dafür müssen wir das richtige Klima schaffen und das können wir fördern, wenn wir in die Zukunft bliecken. Ich will für das Thema Infrastruktur mal ein kleines Element rausnehmen: Internet, Breitbandversorgung. Das ist uns als Otto-Normal-Verbraucher überhaupt nicht klar, was sich da in den nächsten zehn zwanzig Jahren in den Unternehmen und in der Arbeitswelt verändern wird, auch im privaten Umfeld, bei Dienstleistungen, im Tourismus, das ist kaum vorstellbar. Und dafür braucht es – neben vielem anderen: Medienkompetenz, die in den Schulen vermittelt wird und so weiter; dafür braucht es Bandbreiten. Und wenn wir heute über 10 Mbit oder 30, dann reden wir da über 300 oder perspektivisch 500 Mbit. Das ist eine enorme logistische Herausforderung, bei der wir als Bad Dürkheimer vorne mit dabei sein, ein kleines Beispiel, aber ein wichtiger Schlüssel gerade für die Entwicklung im dann doch eher ländlichen Raum. Und daraus entstehen dann Synergien in diesem ganzen wirtschaftlichen Feld, das mit Kommunikation zu tun hat: Marketing, Tourismus, Gesundheitsdienstleistungen.

Und das knüpft dann wieder an unsere klassischen Stärken als Stadt an zwischen Wein, Wald, Erholung, Lebensfreude, Lebensqualität. Da gibt es ganz enge Verbindungen zu diesen kommunikativen Berufsbildern, ich könnte da jetzt noch einen ganzen Abend drüber reden. Ich lasse es.

Wir haben noch fünf Monate, um die Themen zu diskutieren, die Bad Dürkheim bewegen. Ich werde die Bürgerinnen und Bürger einladen, mit mir und uns zu diskutieren in Werkstattgesprächen, ich werde zu Menschen hingehen in die Ortsteile und ich werde Gespräche führen auch in Mainz und Neustadt für unsere Themen.

Die Menschen wollen in Bad Dürkheim auch in Zukunft gut und erfolgreich arbeiten, sie wollen in einer guten und solidarischen Gemeinschaft leben und sie wollen sich erholen, gesund werden und sich Wohlfühlen in unserer Stadt. Und dafür lohnt es sich zu arbeiten.

Und dafür biete ich auch allen meine Mitarbeit und Zusammenarbeit, auch über Parteigrenzen hinweg, das wird notwendig sein und da reiche ich schon jetzt gerne die Hand. Ich will auch nochmal sagen, dass ich persönlich mich mit Gerd Ester auf dem Feuerwehrball gut verstanden habe und ich hab keinen Zweifel daran, dass ich mit ihm als Ersten Beigeordneten gut werde zusammen arbeiten können, wenn ich dann Bürgermeister bin.

Liebe Genossinnen und Genossen,

ich bitte heute um Euer Vertrauen, ich bin in den letzten Tagen vielen Menschen begegnet, die sich freuen dass ich antrete, übrigens aus allen politischen Lagern und diese Menschen sagen: ja, da muss mal ein bisschen was in Bewegung kommen, da muss mal ein frischer Wind durch die Flure des Rathauses wehen, wir brauchen einen neuen Stil in der Politik in Dürkheim.

Und da kann ich nur sagen: richtisch, lieber Derkemer, los geht’s, ihr werdet Euch wundern, lassen Sie uns gemeinsam ein neues Kapitel in der Dürkheimer Stadtpolitik aufschlagen und Ihr wern froh und stolz soi, wann er am 28. Juni de Richtische gewählt habt.

Glück auf! Und herzlichen Dank für Euer Zuhören.

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