Mein Wahlkampf-Tagebuch

Donnerstag, 8. Januar 2015

Heute beginnt alles. Ich sitze mit Manfred Geis, unserem Landtagsabgeordneten, im Medison-Eiscafé am Stadtplatz und spreche über meine Idee. Noch vor Weihnachten habe ich Peter Spengler von der Rheinpfalz gesagt, ich hätte andere Pläne als in Bad Dürkheim zu kandidieren. Dann sammeln alte Pfadfinder-Freunde zwischen den Jahren 400 Unterschriften und fordern mich damit auf, als Bürgermeister zu kandidieren. Ich bespreche mich mit meiner Familie, mit politischen Vertrauten. Ich fasse den Entschluss, doch zu kandidieren. Wir haben wenig Vorlauf, es soll eine Überraschung werden. Ralf Lang, der Fraktionsvorsitzende in Bad Dürkheim erfährt es als erster, er hat mich seit Monaten bekniet, jetzt ist er Feuer und Flamme. Für Samstag wird der Stadtverbandsvorstand zu einer geheimen Dringlichkeitssitzung zusammengerufen.

Sonntag, 11. Januar 2015

In Freinsheim sind die SPD-Mitglieder des Unterbezirks Neustadt-Bad Dürkheim zu einem Neujahrsempfang geladen. Alexander Schweitzer, der Vorsitzende der Pfälzer SPD, hält die Festrede. Wir haben ihn kurz gebrieft und er fordert die Bad Dürkheimer SPD eindringlich auf, einen Kandidaten zu stellen. Noch weiß nur der engste Kreis des Stadtverbandsvorstandes, dass wir tatsächlich einen Kandidaten haben: sie haben mich gestern nominiert und Stillschweigen vereinbart.

Nach der Festrede treten Ralf Lang und Manfred Geis ans Mikrofon und lüften das Geheimnis. Es herrscht eine unglaubliche Stimmung, das Händeschütteln nimmt kein Ende. Ich bin froh, dass wir so entschieden haben. Ein Genosse filmt meine Worte nach der Bekanntgabe. Zum Video.

Noch am Vorabend haben wir mit Peter Spengler gesprochen und die Pressemeldung an die Rheinpfalz gegeben. Der Artikel erscheint am Montagmorgen, bevor am Abend die CDU ihren Kandidaten küren will. Gutes Timing und eine gute Presse. Alexander Schweitzer mailt morgens: „Gelungener Start. Mit diesem Rheinpfalz-Kommentar hast Du, lieber Christoph, den bestmöglichen Start erwischt.“ Das ist wohl wahr.

Montag 26. Januar 2015

Die nächsten Tage waren anstrengend. Ich versuche möglichst viel über die Bad Dürkheimer Politik in mich aufzusaugen, ich treffe mich mit Mitgliedern des Stadtrates, mit Georg Kalbfuß, unserem Alt-Bürgermeister und Landrat a.D. und mit einer Kreativgruppe, die über erste Ideen für den Wahlkampf nachdenkt. Ich telefoniere und spreche mit meinen Kunden, denn ich muss meine selbständige Tätigkeit zurückschrauben, so gut es geht. Der Wahlkampf braucht meine volle Aufmerksamkeit. Das meiste lässt sich regeln und die Beteiligten haben Verständnis. Ein paar Termine in Berlin und Hamburg bleiben und der Kirchentag in Stuttgart steht im Juni an. Ich habe der Geschäftsführung meine Unterstützung zugesagt und moderiere seit Jahren die Orgaleitung, also den zentralen Planungsstab, das will und kann ich nicht abgeben.

Heute ist meine Nominierung im SPD-Stadtverband. Ich halte meine erste große Rede, greife den fehlenden Weihnachtsmarkt auf, positioniere mich zur Staatsbad und fordere ein ganzheitliches Zukunftskonzept für die Kurstadt. An erster Stelle steht die Bekenntnis zu einem neuen politischen Stil und zu „frischem Wind“ im Rathaus. „Neue Besen kehren besser“ steht über unserer Pressemeldung. Georg Kalbfuß bescheinigt mir in der Aussprache, dass ich nicht nur „die intellektuellen Fähigkeiten, sondern auch das nötige politische Feuer“ hätte, ein Ritterschlag. Manfred Geis sieht „einen Ruck durch die Partei und durch Bad Dürkheim“ gehen. So steht es dann auch in der Zeitung.

15. Februar

Das Wichtigste ist jetzt, dass die Bad Dürkheimer mich kennen lernen. Immer wieder wird mir gesagt, dass meine Ausstrahlung viele überzeugt, nur kennen mich eben zu viele noch nicht. Ich schreibe mir jede Veranstaltung und Gelegenheit in den Terminkalender, meine Frau Vera begleitet mich auf den Feuerwehrball, zum Konzert in die TschTschaBar, zum Turnerball – so macht Wahlkampf Spaß. Bei der Turnerball-Tombola gewinnt unser los und der Vorsitzende Christian Hennecke kommentiert schlagfertig: „Da wollen wir doch mal schauen, was der Kandidat dieses Jahr noch so alles gewinnt.“

Ich schreibe die Vereine und Initiativen in Bad Dürkheim an und biete das Gespräch oder meine Beteiligung bei einer Veranstaltung an. Ich will zeigen, dass mir das ehrenamtliche Engagement besonders wichtig ist und ich will die Menschen kennen lernen, die sich für ihre Stadt und ihren Verein engagieren. Ich spreche mit den WohnWegen, mit Ungstein 21 und erfahre, an welchen Stellen die aktuelle Stadtspitze sich nicht engagiert hat. Ich besuche eine spannende Veranstaltung des Hospizvereins Omega, spreche mit der Dekanin und lasse mir das Mehrgenerationenhaus zeigen. Und natürlich bin ich bei Ausstellungen des Kunstvereins, häufig im Haus Catoir, wo ich Vorsitzender der Offenen Werkstatt bin. Ich führe Gespräche zum Thema Gesundheitsstadt und zur Zukunft des Heilbades.

(Fortsetzung folgt)

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